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Karte der Via Molina Pomerania
Die Mühlen der Via Molina Pomerania
Kurze Mühlenkunde
Mühlen begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Zunächst wurde Getreide in einem Mörser zerstoßen und zerstampft. Dann kamen Mahlsteine und handgetriebene Drehmühlen zum Einsatz. Mit dem wachsenden Bedarf an Mahlerzeugnissen wurden die Mahlsteine immer größer und man begann, nach einem neuen Antrieb zu suchen. So wurde zunehmend Tierkraft mithilfe einer Vorrichtung genutzt, die als Göpel bezeichnet wird.
Die eigentliche Entwicklung der Mühlen erfolgte jedoch erst mit der Nutzung von Naturkräften. Bereits seit der Römerzeit wurde die Wasserkraft als Antriebsquelle genutzt. Im 11. Jahrhundert begann, ausgehend von Westeuropa, die Nutzung der Windkraft. Mit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1784 wurde eine neue Antriebsquelle in den Mühlen eingeführt. Durch die Verwendung von Verbrennungs- und Elektromotoren wurden Mühlen von den Naturkräften unabhängig. Große industrielle Mühlenanlagen ersetzten die traditionellen handwerklichen Mühlen.
Das Anlegen von Wassermühlen prägte die europäische Kulturlandschaft. Um Wasserräder antreiben zu können, mussten Bäche und Flüsse Mühlgräben und Stauteiche angelegt werden. Mühlen, die idyllisch am Wasser gelegen sind, sind gegenwärtig touristische Reiseziele geworden.
Bis ins 14. Jahrhundert waren unterschlächtige Wasserräder in Gebrauch. Das Rad lag im fließenden Wasser und wurde durch die Strömung angetrieben. Für das leistungsfähigere oberschlächtige Rad benötigte das Anlegen von Dämmen und Wehren, um ein hohes Gefälle zu erhalten.
Eine besondere Form der Wassermühlen sind die Schiffsmühlen. Sie bestehen oftmals aus einem Hausschiff mit Mühlentechnik, dem Wellschiff und dem dazwischen angelegten unterschlächtigen Wasserrad als Antrieb.
Mitte des 19. Jahrhunderts übernahmen Wasserturbinen den mechanischen Antrieb. Damit veränderte sich das spezifische Bauwerk mit einem Rad zu einer modernen, kaum wiederzuerkennenden Konstruktion aus Beton oder Stein.
Bei dem Begriff „Mühle" denkt man häufig zuerst an Windmühlen. Windmühlen waren vorwiegend in flachen oder leicht hügeligen Landschaften zu finden.
Das prägende Element der Windmühle ist der Windantrieb. Dieser besteht aus dem Flügel- bzw. Rutenkreuz oder, seltener, aus einem Windrad. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Windrose erfunden, was zu einer Automatisierung der Arbeitsprozesse insbesondere in einer Holländerwindmühle führte.
Die Windmühlen lassen sich je nach Konstruktionstyp in Bockwindmühlen, Paltrockwindmühlen, Turmwindmühlen und Holländerwindmühlen unterteilen.
Die Bockwindmühle ist eine besonders im mitteleuropäischen Raum verbreitete Mühlenform, die fast ausschließlich zur Verarbeitung von Getreide dient. Sie entstand im ausgehenden 11. Jahrhundert im Küstenbereich des Ärmelkanals und verbreitete sich bis zum 14. Jahrhundert bis nach Osteuropa.
Prägendes Element dieser Mühle ist die Konstruktion des Bockes mit dem mittig angeordneten senkrecht stehenden Hausbaum. Auf ihm ruht drehbar gelagert der Mühlenkasten. Er besteht in der Regel aus zwei Geschossen (Böden) sowie einem Dachbereich.
Eine Bockwindmühle wird von Hand mit dem Sterz, der auf der Mondseite (Rückseite der Mühle) aus dem Kasten ragt, in den Wind gedreht. Die gesamte Mühle kann von einer Person bedient werden.
Diese Baukonstruktion ermöglicht zudem eine große Mobilität, da die Mühle „wandern" und an einem anderen Ort schnell wieder aufgebaut werden kann.
Paltrockwindmühlen gehen vielfach in ihrer Grundkonstruktion auf Bockwindmühlen zurück und entstanden in der Regel im Zuge deren Weiterentwicklung ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Dabei wurde der Bock entfernt und der baulich erweiterte Mühlenkasten auf einem drehbaren Rollkranz ebenerdig gelegt.
Dadurch wurde die Mühle stabiler und es stand ein größerer Raum für Mühlentechnik und Lager zur Verfügung. Das Drehen erfolgte in der Regel automatisch mithilfe einer Windrose.
Paltrockwindmühlen ähneln in ihrem Aufbau und der technischen Einrichtung kleinen Motormühlen und gehören zu den leistungsfähigsten Windmühlen.
Holländerwindmühlen, die in einigen Regionen auch als Kappenwindmühlen bezeichnet werden, entstanden als eigenständiger Mühlentyp in den Niederlanden und im norddeutschen Raum im 16. Jahrhundert. Bei diesen Windmühlen wird nur das Dach (Haube od. Kappe) mit dem Flügelkreuz mittels eines Steerts, einer innenliegenden Vorrichtung oder einer Windrose in den Wind gedreht.
Der konische Mühlenkörper kann als turmartiges Gebäude und somit höher als z.B. eine Bockwindmühle gebaut werden und die Verarbeitungsmaschinen befinden sich auf mehreren Etagen.
Holländerwindmühlen lassen sich in Erd-, Wall- und Galerieholländer unterteilen, je nachdem, von welcher Ebene aus dem Flügel und die Bremse bedient werden.
Holländerwindmühlen können vollständig aus Holz, einem gemauerten Turm oder aus einer Mischkonstruktion aus beiden bestehen.
Die Turm(wind)mühle ist ein maßgeblich in der nieder- und mittelrheinischen Region sowie den Niederlanden vorkommender Mühlentyp, der im 14. Jahrhundert entstand. Nicht selten wurden für diesen Typ Türme von Stadtbefestigungsanlagen mit einem starken Mauerwerk genutzt.
Charakteristische Merkmale dieses Typs sind der gemauerte, zylindrische Turm mit Wehreigenschaften, das ausschließlich von innen drehbare Dach und die Ausstattung ursprünglich nur mit einem Mahlgang.
Viele dieser Mühlen wurden später „hollandisiert" und mit technischen Einrichtungen modernisiert, die aus den klassischen Holländerwindmühlen stammten.
Im 19. Jahrhundert erfuhr die Mühlentechnik einen neuen Wandel. Neben Dampfmaschinen, Wasserturbinen und künstlichen Mühlensteinen fanden auch Eisen und Stahl Verwendung. Entscheidend für den Mühlenbau wurden gute Transportwege. Das bisher bekannte traditionelle Mühlenbild wurde durch ein neues, leistungsfähigeres Ensemble ersetzt.
Parallel dazu entstanden Mühlenbauanstalten und der Müller wurde zum Mühlenarbeiter.
Bis ins 20. Jahrhundert liefen die Mühlenarbeiten mithilfe von Dampfmaschinen und Wind- oder Wasserkraft. Das Nebeneinander von Elektromotoren und Wind- sowie Wasserkraft gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts, bis das Stromnetz ausreichend ausgebaut war.
Ab den 1950er Jahren verdrängten große industrielle Mühlen die handwerklichen Mühlen, was zu einem weiteren Sterben von kleinen, handwerklich arbeitenden Mühlen führte.
Mit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1784 wurde eine neue Antriebsquelle in den Mühlen eingeführt. Dampfmühlen waren unabhängig von Wind und Wasser und konnten daher an beliebigen Standorten errichtet werden.
Sie markieren den Übergang von der handwerklichen zur industriellen Mühlenproduktion und waren wegbereitend für die modernen Großmühlen des 20. Jahrhunderts.